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Ausstellung im Museum Charlotte Zander von 28.10. 2012 bis 31.08. 2013:

ERGÄNZUNGEN - SCHENKUNGEN - ENTDECKUNGEN

Sonderausstellung
Anna-Jutta Pietsch – Geschöpfe und Gestalten
Ralf Kay – Einsame Menschen


Wohl in kaum einem anderen Museum manifestiert sich die Leidenschaft des Sammelns so gut wie im Museum Charlotte Zander. Seit über 6 Jahrzehnte sammelt Charlotte Zander – entstanden ist dabei eine international angelegte museale Sammlung und ein außergewöhnliches Lebenswerk im Dienst der Kunst von Autodidakten.

Wie die neue Ausstellung „Ergänzungen – Schenkungen - Entdeckungen“ dokumentiert, gibt es für passionierte Sammler wie Charlotte Zander keinen Stillstand. Das Sammeln gleicht einem perpetuum mobile, das eine besondere Dynamik entwickelt und durch verschiedene Strömungen in Bewegung bleibt.

Die Sammlung Charlotte Zander genießt unter Künstlern und Besuchern große Wertschätzung, so dass es in jüngster Vergangenheit immer wieder zu größeren Schenkungen und Stiftungen kam, die hiermit ausgestellt werden.


Die Ausstellung beginnt am 28. Oktober mit einer öffentlichen Führung um 14 Uhr. Dabei haben Gäste und Besucher bei einem gemeinsamen Rundgang die erste Gelegenheit den Blick auf die inspirierende Ausstellung – die einer Anthologie des Sammelns gleicht – zu erkunden.

Zu den Ergänzungen zählen die Bilder des französischen Malers Ferdinand Desnos (1901-1958), darunter das Selbstportrait aus dem Jahr 1956 und das Portrait seines Entdeckers und Kunstkritikers Fritz-René Vanderpyl. Als Hauptwerk des Künstlers gilt das Monumentalbild „Le Testament“ (1950), in dem der Künstler fiktiv seine eigene Beerdigung malt, die er wie einen fröhlichen Besuch von Freunden und tanzenden Frauen an seinem aufgebahrten Leichnam inszeniert.


Die Werkgruppe von Ferdinand Desnos und weitere Bilder von Simon Schwartzenberg, Leon Greffe und André Bauchant ergänzen die bedeutende Sammlung des Museums im Bereich der französischen Naive.

Auch der deutschen Outsider Art und Naive mit Künstlern wie Josef Wittlich, Max Raffler und Friedrich Schröder-Sonnenstern ist mit außergewöhnlichen Bildern ein besonderer Teil der Ausstellung gewidmet. Bei dem Bild „Männergesangchor“ von Josef Wittlich handelt es sich um eines der frühesten Werke, das Wittlich lange vor seiner eigentlichen Entdeckung malte. Ein Kabinett ist mit 40-50 Arbeiten für Max Raffler eingerichtet: Szenen aus München und der bayrischen Landschaft, Tiere, Blumen und Porträts zeigen die Vielfalt seiner künstlerischen Themen. Seit kurzem ist das Museum Charlotte Zander um ein Selbstporträt Max Rafflers aus dem Jahr 1967 – das Seltenheitswert hat - reicher. Auch die Zeichnungen von Friedrich Schröder-Sonnenstern sind ein wertvoller Beitrag für den Bereich deutscher Outsider Art. Seine feinen Zeichnungen erinnern an Fabelwesen aus Mensch und Tier und spiegeln surreal sexuelle Szenerien wieder.

Aus Privatbesitz in Norddeutschland gelangten drei außergewöhnliche Bilder des spanischen Autodidakten Valerico Moral Calvo, der bisher als Maler von Stierkampfszenen bekannt war, in die Sammlung. Diese interessanten Neuzugänge zeigen ihn nun unter neuem Licht und weisen ihn eindeutig als einen politisch engagierten und dem Franco Regime gegenüber kritischem Maler aus.

Eine Besucherin entdeckte im Museum die Bilder von Jo¸e Tisnikar und stiftete spontan aus ihrem Privatbesitz zwei wertvolle Bilder dieses Künstlers, um ihnen ein öffentliches und würdiges neues „Zuhause“ zu geben. Damit konnte das bereits vorhandene Konvolut Tiznikars um sein Selbstporträt und um ein Bildnis seines von ihm geliebten Raben erweitert werden.

Weit über Deutschland hinaus, ist die Sammlung Charlotte Zander mit Künstlern vernetzt. Dazu gehört die Schenkung der holländischen Outsider Art Künstlerin Jannemiek Tukker. In der Serie von 26 ungewöhnlichen Zeichnungen, verarbeitet sie persönliche Erfahrungen mit Psychosen. Schicht für Schicht versucht sie mit leuchtenden Linien vor dunklem Hintergrund das Fremde in Körper und Seele zu visualisieren. Eine weitere großzügige Schenkung mit über 40 Bildern erfolgte durch die ukrainische Malerin und Dichterin Emma Andijewska, deren Werk in einem ihr gewidmeten staatlichen Museum in der Ukraine gewürdigt wird. Mit der Sammlung besonders verbunden, war die 2007 verstorbene Künstlerin und Holocaust Überlebende Rosemarie Koczy, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, in täglichen Zeichnungen an die Opfer des Holocausts zu erinnern. Als Zeichen ihres Vertrauens und als Geste des Erinnerns schickte sie über einen langen Zeitraum von ihrem Wohnort im US Bundesstaat New York, monatlich fünf Zeichnungen an das Museum Charlotte Zander. Daher umfasst das Konvolut heute weit über 500 Werke, von denen einige repräsentative Zeichnungen für die Ausstellung ausgewählt wurden.

Ebenso langjährig mit der Sammlung verbunden ist der Bildhauer Wolfgang Teucher, der über 80 Skulpturen schenkte. Aus Italien erhielt das Museum eine Kreuzigungsdarstellung des italienischen Autodidakten Andrea Fusaro, der im Trentino lebt. Darüber hinaus ist das Museum durch Schenkungen im Besitz von Kunstwerken zeitgenössischer Künstler wie Jan Peter Tripp und Martin Stommel.


Die Ausstellung veranschaulicht insbesondere die vielseitigen Sammelgebiete von Charlotte Zander, die weit über die Klassiker der Naive, Art Brut und Outsider Art hinausgehen. In München entdeckte Charlotte Zander die Baummalerin Annemarie Hoffmann, deren Malerei ungewöhnliche Kombinationen von Bäumen und Tieren darstellt. Darüber hinaus zeigt die Ausstellung z.B. die Tattoo Bilder eines unbekannten amerikanischen Tätowierers, sowie Bilder und Skulpturen wenig bekannter US Künstler wie Joe Mc Fall, Helen Director, Dulce Ramos, Mark Sawyer und haitianischer Maler, unter ihnen Antoine Obin.


Zwei Räume sind als Sonderausstellung für die beiden Entdeckungen, Anna-Jutta Pietsch und Ralf Kay eingerichtet. Bei den Bildern von Anna-Jutta Pietsch handelt es sich um Materialbilder aus abgelegten Handschuhen, abgenutzten Stofffetzen und Textilien. So erhalten diese Materialien, deren Gebrauchsspuren sichtbar sind, durch die künstlerische Transformation ein zweites Leben, eine neue Identität: Ob „Alien“, „Montepuma“, „Drosselbart“ oder „Odradek“ – sie alle sind künstlerische Neuschöpfungen mal als Tier, mal als Mensch.

Inspiriert durch Fotos aus Zeitungen, malt der Münchner Ralf Kay bevorzugt einsame Menschen – einzelne Männer oder Frauen, die er aus der Masse herausfiltert. Er platziert sie vor unterschiedliche Kulissen am Strand, an einer Brücke, auf der Bühne, so verharren sie quasi wie bei einer Momentaufnahme reglos in Position. Sie wirken durch ihre physische Präsenz und verbreiten in sich gekehrte gedankliche und körperliche Stille.



Einer Momentaufnahme gleichkommend verdeutlicht die aktuelle Ausstellung „Ergänzungen – Schenkungen – Entdeckungen“ die verschiedenen Aspekte des Sammelns. Die Suche nach Raritäten, das Anlegen weit verzweigter Sammelgebiete, die Anschaffung neuer Entdeckungen – aber auch die Verpflichtung gegenüber der Kunst, das Archivieren, Bewahren und Ausstellen kommt hier deutlich zum Vorschein. So bleibt die Sammlung Charlotte Zander lebendig, interessant und eine große Inspiration für Besucher und Kunstinteressierte.

Museum Charlotte Zander, Schloß Bönnigheim, Hauptstr. 15, 74354 Bönnigheim

Tel: 07143/4226, www.sammlung-zander.de

Öffnungszeiten Di-Sa: 11-15 Uhr, So und Feiertag: 11-16 Uhr

Führungen für Privatgruppen, Senioren, Reisegruppen, Schulklassen und Kinder gibt es jederzeit nach telefonischer Anmeldung: 07143/4226.


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