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TIERE - TIERE - TIERE
zu Lande - zu Wasser - in der Luft
Bilder und Skulpturen
25.9.2011 - 5.2.2012

TIERE – TIERE – TIERE
zu Lande - zu Wasser - in der Luft

Bilder und Skulpturen Sammlung Charlotte Zander
25. September 2011 – 5. Februar 2012

Sava Sekulic  Die grosse Fischmutter
Sava Sekulic (1902-1986),
Die große Fischmutter, 1977, Mischtechnik auf Pappe, 71 x 101 cm

Das Motiv des Tieres gehört zu den ältesten Bilddarstellungen der Kulturgeschichte und fasziniert bis heute die Kunst. Mit der neuen Ausstellung im Museum Charlotte Zander

«TIERE – TIERE – TIERE: zu Wasser – zu Lande – in der Luft»

Kunst der Naive, Art Brut und Outsider Art

aus der Sammlung Charlotte Zander

steht nun das Tierreich der Naive, der Outsider Art und Art Brut im Zentrum der Aufmerksamkeit. Für Charlotte Zander, die nicht nur eine passionierte Kunstsammlerin, sondern auch eine große Tierliebhaberin ist, geht damit ein langjähriger Ausstellungswunsch in Erfüllung. Aus über 1000 Bildern und Skulpturen zum Thema Tier, wählte sie über 200 Exponate von mehr als 40 Künstler und Künstlerinnen aus, die repräsentativ für den künstlerischen Kosmos der Ausstellung stehen.

So konzentriert sich die „Tierschau“ vorwiegend auf Porträts, auf das Wesen und den Charakter der Tiere. Im Vordergrund steht dabei die grenzüberschreitende Wahrnehmung und Phantasie der Künstler. Denn wo gibt es sonst vierköpfige Schweine, blaue Giraffen, Fischstädte, Stadtkraken, Vögel mit zwei Hundeköpfen, eine Sonnenfinsternis mit Vögeln und Fischen, einen Löwen mit Kalbsmaul? Hier spiegelt sich das besondere Verhältnis der Künstler zu den Tieren, die für sie oftmals Wegbegleiter im realen Leben aber auch in der Kunst sind.

Während Menschen den Umgang mit Tieren oftmals polarisieren, sie gleichermaßen bewundern oder bekämpfen, lieben oder hassen oder auch kommerziell instrumentalisieren, spielen die Tiere in der Kunst der Autodidakten eine wichtige Rolle für seelische und kreative Projektionen. Tiere sind vielmehr Partner von Sehnsucht, Traum, Phantasie und Humor.

Eine besondere Position nimmt dabei der serbische Künstler Sava Sekulic (1902-1986) ein, der in einfachsten Verhältnissen und in enger Verbindung mit Tieren aufwuchs. Er malte und zeichnete Tiere oft in Zusammenhang mit bestimmten Eigenschaften, z.B. den Esel als Symbol des harten Lebens, die Muttersau und ihren Wurf als Symbol für Mutterschaft, Schlangen als Verkörperung des Übels und Vögel als Träger von Schönheit. Darüber hinaus war Sekulic besessen von der geheimnisvollen Unterwasserwelt und dem Wasser als Wiege des Lebens. Insbesondere Tintenfische hinterlassen einen besonderen Eindruck, ihre Tentakel breiten sich nach allen Seiten aus – ihnen kann man nicht entkommen und im Sinne des Künstlers verkörpern sie das unausweichliche Schicksal.

Auch für den Bauern Ilija Bosilj (1895-1972) und den Gemüsehändler Anselme Bois-Vives (1899-1969) waren Tiere Symbolträger. Ilija Bosilj, der im sozialistischen Jugoslawien unter Tito verfolgt und als Bauer enteignet wurde, konstruierte mit der Kunst eine Ersatzwelt außerhalb von Zeit, Raum und Geschichte. Tiere, oftmals zweiköpfige Phantasiewesen, wurden für ihn zur Metapher für Gut und Böse.

Für Anselme Bois-Vives, der einen Plan zur Verbesserung der Gesellschaft entwarf, waren Tiere wichtige Bausteine seiner Gedanken über eine weltweite gerechte Organisation ohne Politik. Nicht immer sind seine Tiere in ihrer flächenmäßigen farbigen Opulenz eindeutig zu identifizieren, obwohl er oftmals in seinem kleinen Garten, umgeben von Tier und Natur malte.

Die Werke des georgischen Malers und Landstreichers Niko Pirosmanaschwili (1862-1918), der als „georgischer Rousseau“ bezeichnet wird, sind selten in europäischen Museen zu sehen, da sich der größte Teil seines Werkes im Nationalmuseum in Tiflis befindet. Daher ist die Bärenfamilie des Künstlers im Museum Charlotte Zander ein beispielhaftes und doch exklusives Tierbild. Ebenso bedeutend sind auch die Tiermotive des berühmten Schweizer Autodidakten Adolf Dietrich (1877-1957), der in den 1920er Jahren von den Künstlern der Neuen Sachlichkeit entdeckt wurde. Während er als menschenscheu galt, konzentrierte sich sein Focus auf die Tiere seiner Umgebung, z. B. Marder oder Meerschweinchen.

Aber auch Ironie und Humor spielen im Rahmen der künstlerischen Tierwelt eine Rolle. Der thronende majestätische Kater des belgisch-französischen Künstlers Aloys Sauter (1875-1952), der sich auf dem zweiten Blick als wildes Biest entpuppt. Oder die Tierporträts des deutschen Naiven Eduard Odenthal (1929-2006), die mit humorvollen Gedichten des Künstlers kommentiert werden, z.B. mit Versen über spuckende Lamas und Stinktiere.

Im Bereich der Skulpturen zeigt die Ausstellung eine repräsentative Auswahl von Löwen, Stieren und Katzen von Schnitzern aus Jamaika, die durch die Rastafari-Bewegung beeinflusst waren. Diese äußerte sich in der Musik wie in der Kunst in ihrer starken Verbundenheit zu den afrikanischen Wurzeln und insbesondere das Löwenmotiv mit der wilden Mähne galt als Symbol für Kraft, Stärke, Ausdauer und Tapferkeit.

Zu den bekanntesten deutschen Künstlern der Naive zählt Erich Bödeker (1904-1971), der aus Holz, Metallteilen, Beton und Farbe einen ganzen Tierkosmos vom Haustier bis zum exotischen Tier schuf.

Die Tierdarstellungen zu Wasser, zu Lande, in der Luft geben der Ausstellung einen internationalen und doch authentischen Charakter. Sie zeigen einmal mehr wie verbindend sich das subjektive Erleben und Empfinden als wichtige Motivquelle für die Autodidakten herausschält.


Künstler der Ausstellung:

A. Bauchant, E. Bödeker, I. Bosilj, A. Bois-Vives, D. Conche, F. Desnos, A. Dietrich, J. Eve, A. Forestier, P. Ghizzardi, A. Hoffmann, O. Jeremic, P. Leonow, H. Krüsi, J. Lloyd, M. Nedjar, E. Odenthal, K. B. Paletta, A.J. Pietsch, N. Pirosmanaschwili, M. Raffler, A. Sauter, S. Sekulic, M. Skurjeni, W. Teucher, C. Thegen, J. Tisnikar, L. Vivin, Scottie Wilson, J. Wittlich, G. van der Steen, L. Vivin sowie Skulpturen aus Jamaika



PETA Deutschland e.V., Benzstr. 1, 70839 Gerlingen, www.peta.de
Spendenkonto: PETA Deutschland e.V.
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