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Das
Motiv
des
Tieres gehört zu den ältesten Bilddarstellungen der
Kulturgeschichte und fasziniert bis heute die Kunst. Mit der neuen
Ausstellung im Museum Charlotte Zander
«TIERE
– TIERE – TIERE: zu Wasser – zu Lande – in der Luft»
Kunst
der Naive, Art Brut und Outsider Art
aus
der Sammlung Charlotte Zander
steht
nun
das
Tierreich der Naive, der Outsider Art und Art Brut im Zentrum der
Aufmerksamkeit. Für Charlotte Zander, die nicht nur eine
passionierte Kunstsammlerin, sondern auch eine große Tierliebhaberin
ist, geht damit ein langjähriger Ausstellungswunsch in Erfüllung.
Aus über 1000 Bildern und Skulpturen zum Thema Tier, wählte sie
über 200 Exponate von mehr als 40 Künstler und Künstlerinnen aus,
die repräsentativ für den künstlerischen Kosmos der Ausstellung
stehen.
So
konzentriert sich die „Tierschau“ vorwiegend auf Porträts, auf
das Wesen und den Charakter der Tiere. Im Vordergrund steht dabei die
grenzüberschreitende Wahrnehmung und Phantasie der Künstler. Denn
wo gibt es sonst vierköpfige Schweine, blaue Giraffen, Fischstädte,
Stadtkraken, Vögel mit zwei Hundeköpfen, eine Sonnenfinsternis mit
Vögeln und Fischen, einen Löwen mit Kalbsmaul? Hier spiegelt sich
das besondere Verhältnis der Künstler zu den Tieren, die für sie
oftmals Wegbegleiter im realen Leben aber auch in der Kunst sind.
Während
Menschen
den
Umgang mit Tieren oftmals polarisieren, sie
gleichermaßen bewundern oder bekämpfen, lieben oder hassen oder
auch kommerziell instrumentalisieren, spielen die Tiere in der Kunst
der Autodidakten eine wichtige Rolle für seelische und kreative
Projektionen. Tiere sind vielmehr Partner von Sehnsucht, Traum,
Phantasie und Humor.
Eine
besondere
Position
nimmt dabei der serbische Künstler Sava
Sekulic (1902-1986) ein, der in
einfachsten Verhältnissen und in enger Verbindung mit Tieren
aufwuchs. Er malte und zeichnete Tiere oft in Zusammenhang mit
bestimmten Eigenschaften, z.B. den Esel als Symbol des harten Lebens,
die Muttersau und ihren Wurf als Symbol für Mutterschaft, Schlangen
als Verkörperung des Übels und Vögel als Träger von Schönheit.
Darüber hinaus war Sekulic besessen von der geheimnisvollen
Unterwasserwelt und dem Wasser als Wiege des Lebens. Insbesondere
Tintenfische hinterlassen einen besonderen Eindruck, ihre Tentakel
breiten sich nach allen Seiten aus – ihnen kann man nicht entkommen
und im Sinne des Künstlers verkörpern sie das unausweichliche
Schicksal.
Auch
für
den
Bauern Ilija Bosilj
(1895-1972) und den Gemüsehändler Anselme
Bois-Vives (1899-1969) waren
Tiere Symbolträger. Ilija Bosilj, der im sozialistischen Jugoslawien
unter Tito verfolgt und als Bauer enteignet wurde, konstruierte mit
der Kunst eine Ersatzwelt außerhalb von Zeit, Raum und Geschichte.
Tiere, oftmals zweiköpfige Phantasiewesen, wurden für ihn zur
Metapher für Gut und Böse.
Für
Anselme
Bois-Vives,
der einen Plan zur Verbesserung der Gesellschaft entwarf,
waren Tiere wichtige Bausteine seiner Gedanken über eine weltweite
gerechte Organisation ohne Politik. Nicht immer sind seine Tiere in
ihrer flächenmäßigen farbigen Opulenz eindeutig zu identifizieren,
obwohl er oftmals in seinem kleinen Garten, umgeben von Tier und
Natur malte.
Die
Werke
des
georgischen Malers und Landstreichers Niko
Pirosmanaschwili (1862-1918),
der als „georgischer Rousseau“ bezeichnet wird, sind selten in
europäischen Museen zu sehen, da sich der größte Teil seines
Werkes im Nationalmuseum in Tiflis befindet. Daher ist die
Bärenfamilie des Künstlers im Museum Charlotte Zander ein
beispielhaftes und doch exklusives Tierbild. Ebenso bedeutend sind
auch die Tiermotive des berühmten Schweizer Autodidakten Adolf
Dietrich (1877-1957), der in den
1920er Jahren von den Künstlern der Neuen Sachlichkeit entdeckt
wurde. Während er als menschenscheu galt, konzentrierte sich sein
Focus auf die Tiere seiner Umgebung, z. B. Marder oder
Meerschweinchen.
Aber
auch
Ironie
und Humor spielen im Rahmen der künstlerischen Tierwelt eine
Rolle. Der thronende majestätische Kater des belgisch-französischen
Künstlers Aloys Sauter
(1875-1952), der sich auf dem zweiten Blick als wildes Biest
entpuppt. Oder die Tierporträts des deutschen Naiven Eduard
Odenthal (1929-2006), die mit
humorvollen Gedichten des Künstlers kommentiert werden, z.B. mit
Versen über spuckende Lamas und Stinktiere.
Im
Bereich
der Skulpturen zeigt die Ausstellung eine repräsentative Auswahl von
Löwen, Stieren und Katzen von Schnitzern aus Jamaika, die durch die
Rastafari-Bewegung beeinflusst waren. Diese äußerte sich in der
Musik wie in der Kunst in ihrer starken Verbundenheit zu den
afrikanischen Wurzeln und insbesondere das Löwenmotiv mit der wilden
Mähne galt als Symbol für Kraft, Stärke, Ausdauer und Tapferkeit.
Zu
den
bekanntesten deutschen Künstlern der Naive zählt Erich
Bödeker (1904-1971), der aus
Holz, Metallteilen, Beton und Farbe einen ganzen Tierkosmos vom
Haustier bis zum exotischen Tier schuf.
Die
Tierdarstellungen
zu
Wasser, zu Lande, in der Luft geben der
Ausstellung einen internationalen und doch authentischen Charakter.
Sie zeigen einmal mehr wie verbindend sich das subjektive Erleben und
Empfinden als wichtige Motivquelle für die Autodidakten
herausschält.
Künstler
der Ausstellung:
A.
Bauchant, E. Bödeker, I. Bosilj, A. Bois-Vives, D. Conche, F.
Desnos, A. Dietrich, J. Eve, A. Forestier, P. Ghizzardi, A. Hoffmann,
O. Jeremic, P. Leonow, H. Krüsi, J. Lloyd, M. Nedjar, E. Odenthal,
K. B. Paletta, A.J. Pietsch, N. Pirosmanaschwili, M. Raffler, A.
Sauter, S. Sekulic, M. Skurjeni, W. Teucher, C. Thegen, J. Tisnikar,
L. Vivin, Scottie Wilson, J. Wittlich, G. van der Steen, L. Vivin
sowie Skulpturen aus Jamaika
PETA Deutschland e.V., Benzstr. 1, 70839 Gerlingen, www.peta.de
Spendenkonto: PETA Deutschland e.V.
GLS-Gemeinschaftsbank BLZ 43060967 Konto 7800078000
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